Die Geschichte über Grosskopisch

Großkopisch und die Kirchenburg

Lage

Grosskopisch liegt im südlichen Siebenbürgen, an einem südlichen Seitenbach der Grossen Kokel, südwestlich von Waldhütten und 2 km östlich von Birthälm.

Das Dorf wird durch zwei parallel verlaufende Gassen, zwischen denen der Bach fliesst, gebildet.
Die Kirchenburg liegt auf einem Abhang östlich über dem Dorf.

 

 

 

 

 

Geschichte

Der Ort wird 1283 urkundlich erwähnt. Das Weissenburger Kapitel überlässt gegen eine jährliche Zahlung von 70 Silbermark den Geistlichen des Mediascher Kapitels drei Zehntquarten.

Unter den Geistlichen des Kapitels ist auch der Pfarrer Theodricus von Grosskopisch erwähnt. Demnach war Grosskopisch eine Gemeinde des Mediascher Kapitels (Urkundenbuch I/145);

 


 

 

1289

wird das Abkommen von 1283 durch den Weissenburger Bischof bestätigt (Urkundenbuch I/160);

 

1345

werden im Zusammenhang mit der Plünderung von Neudorf und Rauthal durch sächsische Gräfen auch Bewohner von Grosskopisch verhört (Urkundenbuch II/26);

 

1349

Hattertstreit zwischen Grosskopisch und Waldhütten einerseits, Rauthal und Neudorf andererseits. (Urkundenbuch II/66, 72);

 

1359

In der Gemeinde leben Grafen. Grosskopisch ist eine freie Königsbodengemeinde (Urkundenbuch II/157);

 

1363 bis 1366

Streit um ein Gebiet zwischen Malmkrog einerseits, Grosskopisch und Waldhütten andererseits. Es kommt zu Gewaltanwendung. 1366 wird der Hattertstreit von König Ludwig in Weissenburg behandelt und das strittige Gebiet zur Hälfte dem Adligen von Malmkrog und die andere Hälfte den beiden Gemeinden zugesprochen (Urkundenbuch II/275, 277);

 

1455

König Ladislaus verleiht Grosskopisch das Jahrmarktsrecht für den Tag des Heiligen Bartholomäus. Dies geschieht auf Ansuchen des Nikolaus von Grosskopisch, Kokler Archidiakon, Domherr der Weissenburger siebenbürgischen Kirche, Protonotar der ungarischen Kanzlei und Königlicher Kaplan (Urkundebuch V/488);

 

1461

aus einer Gerichtsurkunde geht hervor, dass 1454 in Grosskopisch neben einem Pleban zwei Kapläne im Dienst standen. (Urkundenbuch VI/101);

 

1477

Die Gemeinde verweigert dem Sohn des Kopischer Erbgräfen die Anerkennung als Gräf. Da er seine Ansprüche nicht mit Urkunden unterbauen kann,
spricht die Versammlung der Sieben Stühle die Gemeinde von allen Forderungen frei. (Teutsch 1925/180, Nussbächer 1990/87);

 

1532

Grosskopisch ist eine Gemeinde der Zwei Stühle mit 126 Wirten (Quellen Kr./282);

 

1605

Die Ortschaft wird von Szeklertruppen des Fürsten Stefan Botschkai verwüstet
und die Kirche ausgeplündert (Trauschenfels 1860/37);

 

1928 bis 1930

Bau des Gemeindesaales (Mitteilung Pfarrer A. Türk).

 

 


 

 

 

Burg

Östlich des Ortes gibt es den Berg „Burgkuppe“. Hier befand sich wohl die einstige Fliehburg des Dorfes. (Horedt 1958/154, Buchholzer: Erinnerungen an Grosskopisch 1963/114).

Kirche und Glockenturm

 


 

 

Anfang des 14. Jahrhunderts

Bau einer gotischen dreischiffigen Pfeilerbasilika mit einem Glockenturm. Die niedrigen Seitenschiffe werden vom Mittelschiff durch Spitzbogenarkaden getrennt. Das Mittelschiff erhält eine flache Decke und wird durch Obergadenfenster beleuchtet. Der Glockenturm wird über dem Westeingang errichtet. Der von den Seitenschiffen flankierte Turm erhält im Erdgeschoss Arkaden, die sich gegen die Seitenschiffe rundbogig öffnen. In den unteren Geschossen ist der Glockenturm aus Stein, darüber aus Ziegeln erbaut.

 

16. Jahrhundert

Im Zuge der Wehrbarmachung der Kirche werden die Seitenschiffe abgetragen. Die Arkaden des Mittelschiffs werden zugemauert und die alten Pfeiler in die neue Kirchenwand eingebaut. Auch die Rundbogenarkaden im Erdgeschoss des Turms gegen die Seitenschiffe werden vermauert. Über dem Mittelschiff werden die Längswände erhöht und ein mit Schiessscharten versehenes Geschoss eingerichtet. Der Glockenturm erhält einen Holzwehrgang und ein Pyramidendach. Der Wehrgang wird auf Hängeböcke aufgesetzt.

 

Um 1510

Nach Osten hin wird ein neuer, geräumiger Chor (10,5 x 7 m) mit 5/8-Abschluss gebaut. Er ragt 11 m über das Schiff hinaus. Über dem Chor wird ein vorgekragtes Wehrgeschoss errichtet und darüber das steile Satteldach gesetzt. Dieses Geschoss wird auf die Strebepfeiler des alten Baues aufgesetzt, die durch Ziegelbogen verbunden werden. Über den Bogen werden Schiessscharten angebracht. Darunter wird das Wehrgeschoss von einem steinernen Gesimse umzogen. Der Chor mit dem Wehrgeschoss wird hochgeführt, damit östlich davon der Berghang wehrtechnisch überwacht werden kann. So überragt der Chor sogar den Westturm. Der Chor wird durch 4 zweiteilige grosse Spitzbogenfenster mit spätgotischem Masswerk erhellt, die Ähnlichkeit mit dem Fenster aus Birthälm aufweisen. Das Masswerk hat Fischblasen-, Dreipass- und Vierpassmotive. In der Ostwand des Chores ist ein Radfenster mit Vierpassmasswerk. Ein hoher, steinerner gotischer Triumphbogen trennt Chor und Mittelschiff. Der Chor erhält ein Sternnetzgewölbe aus Tonrippen. Die Rippen ruhen auf hochgelegenen Konsolen, die verschiedenartig gestalt sind. Nördlich vom Chor wird eine zweigeschossige Sakristei angebaut; sie wird mit einem Rautennetzgewölbe überspannt, das auf Konsolen ruht. Das Obergeschoss erreicht man über eine Wendeltreppe, über deren Eingang eine Jahreszahl mit den Ziffern 15?2 (die vorletzte Zahl ist nicht zu erkennen) zu lesen ist.

 

1519

wird zwischen Chor und Sakristei ein Steintürstock eingesetzt, der im Renaissancestil gehalten ist, er weist einfache Profile und eine Zahnleiste auf. Die obere Schwelle des Türstocks wird von einem Relief mit Lamm, Kreuz und Fahne dekoriert, während im unteren Teil beidseitig je ein Gesicht eingemeisselt ist.

 

Nach 1526

Die geplante Vergrösserung des Langhauses wird nicht mehr durchgeführt. Um Chor und Langhaus zu verbinden, baut man an den erhöhten Chor in Verlängerung der alten Seitenschiffe zwei schmale Baukörper mit quergestelltem Tonnengewölbe an.

 

1605

Die Kirche wird durch Szeklertruppen verwüstet. (Trauschenfels 1860/36f)

 

1795 bis 1797

Das Mittelschiff erhält das jetzige Ziegelgewölbe. Im Bauvertrag wird es „böhmisches Gewölbe“ genannt. Das bis dahin über dem Mittelschiff befindliche Getäfel wird entfernt. Die alten Obergaden kommen so oberhalb des neuen Ziegelgewölbes zu liegen. Die Deckenbalken der einstigen Flachdecke sind noch vorhanden. Der Bauvertrag von 1795 ist im Pfarrarchiv erhalten.

 

Neuere Zeit

Ein Kragsturzbogen, der sich früher an anderer Stelle befand, wird über dem Nordeingang eingesetzt. Vor dem Südeingang wird ein Vorbau errichtet.

 

1802

Erdbebenschäden. Das Gewölbe des Südseitenschiffes muss abgetragen werden (Gedenkbuch /15)

 

1831 bis 1832

Die Erdbebenschäden werden ausgebessert. (Gedenkbuch /15)

 

1977

Restaurierung der Kirche (DW 05.08.1977). In der Nordwand des Chores befand sich eine Sakramentsnische mit Eselsrückenabschluss (Müller 1858/17). Heute ist die Nische zugemauert.

 

 


 

 

 

Ausstattung

Aus dem Schrein des spätgotischen Flügelaltars sind drei Holzplastiken erhalten: Christus als Schmerzensmann und zwei Engel.

 


 

 

1854

wird der alte Altar durch einen neune im klassizistischen Stil ersetzt.

 


Friedrich Müller I. hat den Flügelaltar noch gesehen und berichtet 1857, er habe als Mittelbild „den Heiland und die Marien, in der Predella die Kreuztragung und auf den Flügeln zwölf gemalte Szenen aus der Heilandsgeschichte“ enthalten. Die Jahreszahl 1558 auf der Rückwand bezog sich auf eine Reparatur. Harald krasser hat die Figuren mit der mainfränkischen Plastik in der Nachfolge Tilmann Riemenschneiders in Verbindung gebracht (Krasser KB 1975/10). 1977 werden die drei renovierten Plastiken zu einem Altar gefügt und in der Ferula der Hermannstädter Stadtpfarrkirche aufgestellt.

Der heutige Altar in der Grosskopischer Kirche ist 1854 bei dem Bildhauer Friedrich Böckhatz in Auftrag gegeben worden. Das Mittelbild zeigt Jesus am Jakobsbrunnen mit der Samariterin, darüber Jesus mit den Emmausjüngern, beidseitig neben dem Hauptbild je drei korinthische Säulen, darunter zwölf vergoldete Holzreliefs, die Szenen aus dem Leben Jesu darstellen. Die Predella zeigt eine vergoldete Abendmahlsdarstellung. Die klassizistische Altarkrönung besteht aus Holzvasen und Engelsfiguren (Klima 1964).

 


 

 

1790 bis 1791

Herstellung des Kanzeldeckels und der Kanzelkrone.

 

1796

wird die Kanzel aufgestellt (Inventar 1967).

 

1857 bis 1858

Vergoldung der Kanzle durch Karl Hoppe (Vertrag im Pfarrarchiv).

 

1763

Erwähnung einer Orgel (Kirchenrechnung)

 

1770

Entlohnung des Tischlermeisters Czillmann für das Schnitzwerk am „Positiv“.

 

1789

Reparatur der Orgel

 

1799 bis 1800

Bau der heutigen Orgel durch Samuel Maetz aus Birthälm. Sie besitzt ein Manual, Pedal und 12 Register.

 

 


 

 

 

Glocken

Eine Glocke aus der Reformationszeit trägt eine lateinische Inschrift und die Jahreszahl 1550 (Müller 1860/230). Die andere Glocke wurde 1936 gegossen. 1763 wird eine Turmuhr erwähnt.

Kirchenburg

Anfang des 16. Jahrhunderts wird die Kirche mit einem aus Bruchsteinen gebauten Bering umgeben. (Die Mauer ist gegenwärtig 3 – 4 m hoch und mit Schiessscharten versehen).

Im Westen wird die Einfahrt befestigt und durch ein Fallgatter geschützt. Im Nordosten wird über Eck ein rechteckiger, vorspringender zweigeschossiger Turm gebaut, der ein Pultdach besitzt.
Die Gusserker sind mit Staffelgiebeln versehen. (Dancu 1980/70 u.a.).

 


 

 

1827

Der Südwestturm wird wegen Baufälligkeit abgetragen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts werden die Fruchtkammern, die sich auf der Innenseite der Umfassungsmauer befanden, abgetragen.

 

1977

Restaurierung der Kirchenburg in der Amtszeit von Pfarrer Andreas Türk
(DW 05.08.1977)

Das Pfarrhaus hat seine heutige Form 1826 erhalten.
Ältere Teile stammen von 1763 – 1776.

 


Literatur

Die Angaben in Klammern bezeichnen die Literaturquellen.

Der gesamte Text stammt aus „Baudenkmäler in Siebenbürgen Heft 13
„Die Kirchenburg in Grosskopisch“ des MONUMENTA Verlages, Ausgabe 1997

Textquellen

H. Fabini, geschichtliche Angaben nach Vorarbeiten von Hellmut Klima