Brauchtum in Großkopisch

Fasching

In Großkopisch wurden die Sitten und Bräuche hochgehalten und gelebt. Schon im Januar trafen die Kinder in Großkopisch Vorbereitungen für ihre eigene Unterhaltung und zwar den „Blasi“, der in den ersten Februartagen stattfand. Die Adjuvanten machten gegen ein geringes Entgelt die Musik, auf die die Kinder tanzten. Die Eltern, die einen Korb mit Kuchen und Getränken mitführten, saßen am Rand des Saales und schauten zu. Dieser Tag gehörte ganz den Kindern. Aber auch die Erwachsenen stellten im Februar an den Fasching ihre Erwartungen. Schon im Herbst trug jeder Nachbar eine festgelegte Menge Most zum Nachbarvater. Der Most wurde in ein Fass gefüllt, wo er gären und reifen konnte. Alle zwei Jahre wurde die Leitung der Nachbarschaft neu gewählt. Sie bestand aus dem alten und dem neuen Nachbarvater und zwei Schaffnern. Beim Nachbarvater wurden die Schublade mit den Nachbarschaftsartikeln, die Satzungen, ein Protokollbuch und das Nachbarzeichen (aus Holz herzförmig geschnittenes Holztäfelchen). Dieses Täfelchen wurde für Mitteilungen innerhalb der Nachbarschaft benutzt. Der Fasching fand früher an Tagen vor dem Aschermittwoch statt.

Später wurde die Feier auf das Wochenende verlegt, weil die Männer an Wochentagen arbeiten gehen mussten. Der erste Tag des Faschings war der Richttag . An diesem Tag trafen sich alle Männer der Nachbarschaft um alle Angelegenheiten der Nachbarschaft zu besprechen. Ab diesem Zeitpunkt gehörte das ganze Haus des Nachbarvaters der Nachbarschaft. Am Samstagabend kamen auch die Frauen dazu. Dann wurde von Samstag bis Montag früh gefeiert und getanzt. Nach kurzem Schlaf fanden sich alle Frauen und Männer wieder ein, um das Haus des Nachbarvaters wieder in Ordnung zu bringen. Wenn das geschehen war, wurde die Fastnacht begraben.

Eine Strohpuppe wurde auf einem Wagen durch das ganze Dorf geführt und auf der Brücke in der Neugasse verbrannt. Das war das Zeichen, dass die bewusste Narrheit ein Ende gefunden hat. Am Sonntag darauf versammelten sich alle noch mal um den neuen Nachbarvater zu wählen. Dabei wurde das ganze Nachbarschaftsgut wie Tische, Bänke, Töpfe und das Weinfass dem neuen Nachbarvater übergeben.

Dies wurde natürlich auch gefeiert. Beim neuen Nachbarvater stand schon der Krug mit Wein bereit. Die Nachbarmutter hatte in weiser Voraussicht eine Menge Krapfen gebacken, die sie auf den Tisch stellte, damit sich alle bedienen konnten. Sehr schön und ausführlich wurde der Fasching in Großkopisch im Buch von Pfarrer Andreas Türk „700 Jahre Heimat Großkopisch in Siebenbürgen“ beschrieben.

Jetzt feiert in Großkopisch keiner mehr „Fuesnicht“. Aber wir hier in Gummersbach und Umgebung haben diesen Brauch beibehalten und feiern immer am ersten Februarwochenende Karneval. Natürlich ist das eine Mischung aus Fastnacht in Kopisch und Karneval im Rheinland. Wir freuen uns immer auch auf den alljährlichen Besuch aus Ingolstadt, Heilbronn und Stuttgart usw. Dieses Jahr wollte ich mal sehen, wie viele Kopischer befinden sich eigentlich im Saal. Und siehe da, es war mehr als ich dachte. Auf dem gemeinsamen Foto werdet ihr bestimmt die Kopischer erkennen. Die Fotos zu diesem Text sind demnächst in der Bildergalerie zu sehen.

Es grüßt herzlich Sinni

About Arthur Weprich

Author und Webmaster für grosskopisch.de - geboren 1981 in Großprobstdorf bei Mediasch in Rumänien

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