Das Kronenfest

Der letzte der gefeierten Brauchtumstage vor dem Sommer war das Kronenfest zu Peter und Paul.

Die Burschen des Dorfes holten schon Tage vorher einen 10 – 12 m langen Baumstamm aus dem Wald. Der wurde glatt geschält und an der Spitze ein festes großes Gerüst in Form einer Krone befestigt. Dieses Gerüst musste so stabil sein, dass ein junger Mann bedenkenlos in der Krone in dieser Höhe sitzen konnte. Es wurden auch zwei Raststützen eingebaut, denn den glatten Stamm zu erklettern, war nicht so einfach. Am Kronengerüst wurde noch ein Seil befestigt.

Die Mädchen sammelten Immergrün und bunte Wald- und Wiesenblumen. Damit wurde das Kronengerüst geschmückt und mit bunten Papierbändern verschönert. Am Sonntag, dem Peter- und Paulstag, spielten die Musikanten des Dorfes nach dem gemeinsamen Gottesdienst unter der Krone zum Tanz auf. Die Mädchen und die Jungen tanzten zwei Tänze in der Kirchentracht auf dem Platz unter der Krone. Am Nachmittag, wenn auf dem Platz reges Treiben herrschte und alle Plätze auf den Bänken belegt waren, trat der Höhepunkt des Tages ein, das Erklettern der Krone.

Ein Bursche kletterte mit Hilfe des Seils und der Rasthölzer bis nach oben und setzte sich in die Krone. Oben angekommen, wurde es unten still und jeder lauschte der „Kruinenpradich“, die er an die Versammelten richtete. Eine bestimmte Ansprache war nicht festgelegt. Es blieb jedem überlassen, sein eigenes Thema zu wählen. Es waren vor allem Dankessprüche für alles, was im Laufe des Jahres gelungen war oder dafür dass das Dorf vor Katastrophen bewahrt wurde. Am Ende der Ansprache hieß es: „Vivat! Die Jugend, unsere Musikanten und alle unsere Gäste sollen hoch leben!“

Dann befestigten die Mädchen am Seil einen Teller mit Gebäck und eine Flasche Wein. Das Bündel wurde von dem Burschen hochgezogen. Damit konnte er sich vor dem Abstieg stärken, denn das Erklettern der Krone hatte viel Kraft gekostet.

Danach wurde noch bis in den späten Abend getanzt und gefeiert. An diesem Tag herrschte Damenwahl. Die Mädchen hatten auch die Verantwortung für den ganzen Ablauf dieses Festes. Das Kronenfest war jedes Jahr ein schönes Ereignis. Wir denken gerne daran zurück. Nach diesem Fest, widmeten sich die Großkopischer der Sommerarbeit, die auf dem Land reichlich anfiel.

Die Fotos zu diesem Text wurden freundlicherweise von Harti Bell zur Verfügung gestellt. Schönen Dank dafür. Ich hoffe, der eine oder der andere Großkopischer erkennt sich auf den Fotos wieder. Sie stammen aus dem Jahr 1971.

(Rosina Lachmann)

About Arthur Weprich

Author und Webmaster für grosskopisch.de - geboren 1981 in Großprobstdorf bei Mediasch in Rumänien

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