Das Osterfest

Der Aschermittwoch läutet die Fastenzeit ein. Sechs Wochen später ist Ostern. In Großkopisch hat man sich in dieser Zeit schon auf die nächsten Ereignisse vorbereitet, die jedes Jahr vor Ostern stattfanden. Zwei Wochen vor Ostern, am so genannten „Starken Sonntag“ wurde mit dem „Schönen Mädchen“ singen gegangen. Die Mädchen des Ortes, die noch nicht konfirmiert waren, haben dieses Singen organisiert. Buben waren nicht zugelassen. Die Lieder waren überlieferte Frühlingslieder wie „Zeisken huet en klinzig Nest“ oder „Det Freijohr kit en den Weiden“ u.a., die schon von unseren Müttern und Großmüttern zu diesem Zweck gesungen wurden. Das „Schöne Mädchen“ war ein Mädchen im Kindergartenalter. Sie war bekleidet mit einem weißen Kleid, die Haare offen gekämmt und geschmückt mit bunten Schleifen und einer Krone auf dem Kopf. So aufgestellt wurde vor jeder sächsischen Haustür gesungen und um eine Gabe für das „Schöne Mädchen“ gebeten. Gespendet wurden Eier, Mehl, Zucker, Butter usw. solche Zutaten, die am selben Tag von den Müttern zu Kuchen verarbeitet wurden. Am späten Nachmittag wurde der gebackene Kuchen feierlich verzehrt. Es war ein sehr schöner Brauch. Palmsamstag war der Tag der Buben im Dorf. Die brachten den Mädchen geschmückte Kränze oder Mistelzweige. Die Kränze wurden von den Vätern am nächsten Morgen an die Hauswand genagelt. Die sächsischen Häuserwände waren bis nach Ostern mit den Kränzen und Misteln geschmückt, so wie auf dem Bild zu sehen ist. Diese Tradition hat sich bis zum Schluss durchgesetzt. Palmsonntag war in Großkopisch der Tag der Konfirmation in der evangelischen Kirche. Der Ostersonntag wurde feierlich begangen, erst ging es zum Gottesdienst und dann folgte das Osterlammessen. An dieser Tradition halten wir heute noch fest. Ostermontag war der Tag des Bespritzens. Die Jungen, die am Palmsamstag Kränze verteilt hatten, kamen am Ostermontag zu den Mädchen, um sie mit Parfüm zu bespritzen. Sie bekamen noch ein kleines Dankeschön für den Kranz und natürlich bunte Eier. Hatte man viele bunte Eier gesammelt, fand auf den Wiesen am Dorfrand das so genannte „Eierwerfen“ statt. Ein beliebter Brauch der Burschen war am Osterdienstag das Eierablaufen. Erst wurden im Dorf bei den Sachsen frische Eier gesammelt. Dann auf dem Festplatz des Dorfes eine Fläche als Austragungsort des Eierablaufens bestimmt. Hier wurden in mehreren Reihen kleine Erdlöcher gemacht. In jede Kuhle wurde ein rohes Ei hineingelegt. Zwei Jungs wurden für das Laufen ausgesucht. Sie liefen in entgegengesetzter Richtung die vorher festgelegte Strecke im Dorf ab. Ein Dritter wurde für das Auflesen der Eier bestimmt. Dieser musste das erste Ei mit dem Mund aufnehmen und dann mit den Händen so viele Eier auflesen, wie er konnte und zum Sammelpunkt bringen. Lagen noch Eier auf der Erde, wenn die Läufer zurückkamen, durften die für sich selber so viele Eier auflesen, wie sie schafften. Die gehörten dann ihnen ganz alleine. Waren alle Eier aufgelesen, wurde ein Teil davon verkauft, um Getränke zu besorgen und aus dem Rest wurde eine Riesenpfanne Rührei gemacht. Mit diesem Essen und Trinken wurde der Tag gebührend gefeiert. Heute denken wir gerne zurück an diese Bräuche und wir werden sie immer in Erinnerung behalten.

Rosina Lachmann (Bildquelle: Claudia Hautumm / pixelio.de)

About Arthur Weprich

Author und Webmaster für grosskopisch.de - geboren 1981 in Großprobstdorf bei Mediasch in Rumänien

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