„Fuesenicht“ Fasching in Großkopisch

„Fuesenicht“ Fasching in Großkopisch Auszug aus dem Buch von Andreas Türk „700 Jahre Heimat Großkopisch in Siebenbürgen“

„… Schon im Herbst beginnen die Vorbereitungen für den Fasching. Jeder Nachbar trägt eine von der Nachbarschaft festgesetzte Menge Most, der in ein Fass gefüllt wird und im Keller des Nachbarvaters gärt und reift. Alle zwei Jahre wird die Leitung der Nachbarschaft neu gewählt.

Sie besteht aus dem alten und dem jungen Nachbarvater und zwei Schaffnern. Jede Nachbarschaft hat ihre Nachbarschaftslade, in der die Nachbarschaftsartikel aufbewahrt werden. Nichts geschah in unserer Dorfgemeinschaft ohne den nötigen Ernst.

So heißt der erste Tag „Richttag“. Da wird nötigenfalls Gericht gehalten. Säumige, die die Anordnungen der Nachbarschaft nicht befolgten, erhalten die festgelegte Strafe. Alle Angelegenheiten der Nachbarschaft werden auf diesem „Thing“ besprochen, Beschlüsse gefasst und in einem Verhandlungsbericht festgehalten. Zu solchem Tun bereiten sich die Nachbarschaften in einem gemeinsamen Vesöhnungsgottesdienst vor, nach welchem jede in ihr Nachbarhaus geht. Dies ist das Haus des Nachbarvaters, doch an diesem Tag verfügt die Nachbarschaft darüber.

Ist der geschäfltiche Teil erledigt, geht ein Schaffner in den Keller und holt eine Kostprobe von dem Wein zur Begutachtung. Dann geht jeder zum Mittagessen nach Hause. Nach einer Stunde kommen alle wieder und unterhalten sich bei einem Glas Wein bis zur Abenddämmerung.

So viel blieb von der alten Art des „Männerfaschings“ noch übrig, die unter Ausschluss der Frauen gefeiert wurde. Nachdem die Frau auch im kleinsten Dorf ihre gesellschaftliche Gleichstellung erlangte, wird im weiteren Verlauf des Festes gemeinsam mit ihnen gefeiert. So versammeln sich am Abend alle Männer mit ihren Frauen zum Abendessen, nach welchem sie sich bei Tanz, Gesang, vielleicht auch mit einem kleinen Possenspiel unbeschwert unterhalten….

Nach kurzem Schlaf finden sich Frauen und einige Männer wieder im Nachbarhaus ein, damit sie es in Ordnung bringen, es reinigen und die ausgeräumten Möbel an ihren Platz zurückstellen. Wenn das geschehen war, dann wurde – ähnlich wie am Mittelrhein der Winter ausgetrieben wurde – hier die Fastnacht begraben.

Eine Strohpuppe wurde auf einem Wagen durchs Dorf geführt. Die Teilnehmer maskierten sich für den Umzug. Mit viel Lärm und Schalkheit ging es auf einen Rundgang durch das Dorf. Auf der Brücke in der Neugasse hielt der Zug an. Ein Maskierter hielt eine Trauerrede auf die zu Ende gegangene Faschingsfeier in Prosa oder in Gedichtform.

Der nach Kanada ausgewanderte Adolf Buchholzer hat ein solches Gedicht in seinen Erinnerungen an Großkopisch festgehalten.

Es lautet: „In der Blüte von zwei Tagen, wirst du schon zu Grab getragen! Oh du armer Fasching, du, gehst so früh in deine Ruh’. Doch ewig wirst du nicht da liegen, und nicht lahme Beine kriegen. Dazu hast du keine zeit, kurz ist deine Ewigkeit. Tun wir dich auch heut begraben, wird ein Jahr dir gar nichts schaden. Nachher bist du wieder hier, aufs Neue tanzen wir.“

Dann wurde die Strohpuppe auf der Brücke verbrannt ein Zeichen, dass die bewusste Narrheit ein Ende gefunden hatte. Ich wünsche allen Großkopischern eine närrische Zeit.

Rosina Lachmann

About Arthur Weprich

Author und Webmaster für grosskopisch.de - geboren 1981 in Großprobstdorf bei Mediasch in Rumänien

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