Noch einmal 50 Jahre

Samstag, 30. Januar 2010 / LAHR

Die Begrüßung ist so herzlich, wie man es aus vielen Jahren in der Martinskirche noch gut in Erinnerung hat. Kaffee und selbst Gebackenes stehen schon einladend auf dem Tisch, und dann wird lebhaft erzählt. Denn am Tag ihrer goldenen Hochzeit schauen Andreas und Wilhelmine Bell nicht nur zurück, auch für die Zukunft gibt es viele Pläne, und wenn sie einen Wunsch frei hätten, wäre es der nach „noch einmal 50 gemeinsamen Jahren“. Geboren und aufgewachsen ist das Jubelpaar in Groß-Kopisch, einem kleinen Ort in Siebenbürgen. Dort haben sie zusammen erst den Kindergarten besucht und dann die Schule, sie wurden zusammen konfirmiert und planten schon früh die gemeinsame Zukunft.

Im Dezember 1959 gaben sie sich das Jawort auf dem Standesamt, am 31. Januar 1960 wurde die kirchliche Trauung gefeiert. Im Dorf sei es „arm aber warm“ gewesen, und so war es auch in den Familien, in denen Wilhelmine Bell als Älteste von fünf, Andreas Bell als Jüngster von vier Geschwistern fest mit anpacken mussten. Aber auch das Feiern kam nie zu kurz. Bei Hochzeiten war das ganze Dorf eingeladen, jeden Samstag ging es zum Tanz bei Ziehharmonika und Blasmusik, und auch Andreas Bell blies die Posaune. Nach der Schule begann der junge Mann eine Lehre als Gas- und Wasserinstallateur in Hermannstadt.

Nach deren Abschluss wurde er zum zweijährigen Militärdienst eingezogen, den er zuerst in einem Kohlenbergwerk, dann als Zimmermann auf dem Bau ableisten musste. Bis zur Ausreise nach Deutschland arbeitete er in seinem erlernten Beruf bei der Stadt, Wilhelmine Bell hatte Arbeit in einer Weberei gefunden. 1979 zog die Familie nach Lahr in die Nähe von Eltern und Geschwistern, die hier schon früher eine neue Heimat gefunden hatten. Durch die Vermittlung von Margret Kaufmann konnte Wilhelmine Bell im Frühjahr 1980 das Amt der Kirchendienerin der Martinskirche übernehmen, das sie 16 Jahre lang bei vier wechselnden Pfarrern ausfüllte. Neben seiner Arbeit bei den Stadtwerken war auch ihr Mann immer zur Stelle, wenn es galt, den Rasen zu mähen oder die Außenanlagen der Kirche instand zu halten.

Nach einem arbeitsreichen Leben ist noch lange nicht gut ruhen. Ein großer Garten, die Reben am Schutterlindenberg und zehn Bienenvölker wollen versorgt sein, nicht zu vergessen die Proben und Konzerte von Liederkranz und Kirchenchor. Und dass eine Oma von sechs Enkeln ständig auf Trab gehalten wird, glaubt man gerne, besonders wenn sie so wunderbar nähen und stricken kann.

Autor: Jutta Fichtner

About Arthur Weprich

Author und Webmaster für grosskopisch.de - geboren 1981 in Großprobstdorf bei Mediasch in Rumänien

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