Wer rettet die siebenbürgisch-sächsische Dorflandschaft?

Die traditionellen Bauernhäuser sind durch Verfall oder Umbauarbeiten in Gefahr

Auszug aus einem Bericht im „Deutschen Jahrbuch für Rumänien 2009“ von Christa Richter

Im Kreis Hermannstadt hatte es sich die italienische Unternehmerfamilie Bassetti in den Kopf gesetzt, sich um die Erhaltung der Dorfarchitektur in den ehemals sächsischen Ortschaften zu kümmern. Als die Italiener merkten, dass dieses keineswegs ein leichtes Unterfangen war, hatten sie zuerst auf Kreisebene einen Projektplan ausgearbeitet, der mehrere siebenbürgische Dörfer unter einen Hut vereinte und wie ein Schutzdach wirken sollte.

Die Unterschriften der jeweiligen Bürgermeister gaben den juristischen Rahmen ab. Theoretisch klang das sehr verheißend, doch in der Praxis …. Seit der Ceausescu-Clan im Jahr 1977 die Behörde für Denkmalschutz einfach aufgelöst hatte, begann sich eine Denkweise durchzusetzen, die den Kulturwerten keine Bedeutung mehr schenkte. Aus Schlössern wurden Kinderheime, aus archäologischen Stätten Viehweiden, Kirchen wurden versperrt, Bauernhäuser vergammelten als Gebäude der landwirtschaftlichen Kollektivwirtschaften usw. Dann kam die Wende 1990 mit der großen Hoffnung. Besser wurde vieles, aber nicht alles. Was man nicht über Nacht ändern konnte, war die Denkweise. Und wen man nicht beseitigen konnte, das waren die Bürokraten aus der kommunistischen Zeit. Bestechung und Beziehungen funktionierten leider weiter in vielen Bereichen, wieso sollte die Kultur eine Ausnahme sein? Hinzu kommen Unwissen und Ignoranz einer breiten Bevölkerungsschicht, vor allem jener, die in letzter Zeit plötzlich reich geworden ist.

Aber beschränken wir uns auf die siebenbürgische Dorflandschaft, die neben anderen Teilen Rumäniens, einen besondern touristischen Anziehungspunkt darstellt. In Siebenbürgen sind es die sächsischen Dörfer mit ihren stolzen Kirchenburgen und fränkischen Häuserzeilen, die an das mittelalterliche Deutschland erinnern und dank ihrer landschaftlich schönen Lage ein Touristenmagnet sein könnten. Doch wer kümmert sich um die Erhaltung dieses einmaligen Kulturguts? Die ehemals sächsischen Bewohner sind größtenteils ausgewandert, die Häuser kamen in fremde Hände, viele Kirchen verwaisten. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland gründete als erster eine Stiftung zur Rettung des deutschen Kulturerbes in Rumänien. Inzwischen hat sein Beispiel Nachahmer gefunden.

Die Evangelische Kirche A.B. ist in Siebenbürgen eine grundlegende Institution, die trotz geringer Zahl von Gläubigen die Zügel noch fest in der Hand hält, den Denkmalschutz ernst nimmt und zu diesem Zweck eine fachlich kompetente Institution gegründet hat. Ob man alle 160 Kirchenburgen bewahren kann, ist noch ungewiss. Schlechter steht es um die sächsische Dorflandschaft. Wie kann man den neuen Besitzer, meist ein Rumäne oder Zigeuner, davon überzeugen, einen Baustil anzunehmen und zu bewahren, wenn seine Tradition und sein Geschmack einer anderen Kultursphäre verhaftet sind? Zum Glück gibt es private Initiativen und Stiftungen, meist mit ausländischem Kapital, denen Siebenbürgen am Herzen liegt und die sich dafür einsetzen, dass die traditionelle Bauweise erhalten bleibt.

Im Hermanstädter Kreis ist es die italienische Unternehmerfamilie Paolo und Giovanna Bassetti, die den Kampf gegen die Zerstörung der siebenbürgisch-sächsischen Dörfer aufgenommen hat. Als die beiden das Dörfchen Großkopisch als ihren Familiensitz auswählten, waren sie von der Lage begeistert, doch gleicherweise entsetzt, was mit den ehemals sächsischen Häusern geschah. Sie zerfielen schön langsam oder wurden von den neuen Besitzern baulich so verändert, dass sie das Dorfbild verschandelten. Hier musste Einhalt geboten werden! Deshalb wurde im Sommer 2008 ein Manifest ausgearbeitet, das von 16 Bürgermeistern in ehemals sächsischen Dörfern unterschrieben wurde. Diese verpflichteten sich, den baulichen Charakter ihrer Ortschaften nicht zu verändern, besonders was Dächer, Hausfassaden, Verzierung, Farbe, Fenster und Tore anbelangt.

Doch mit der Unterschrift war noch nichts getan. Die Baumeister machten weiter, wie es der Besitzer verlangte. Immer wieder tauchten schockierende Farbtöne an Fassaden auf, Plastikrollos ersetzten die Holzläden, die Inspektoren der Kulturkreisdirektion hatten viel zu tun. Darauf beschlossen die Italiener einen Fonds zu gründen, um jene Leute zu unterstützen, denen durch die fachgerechte Restaurierung Zusatzkosten entstehen. Sie subventionierten also die Reparatur von Dächern, Fassaden, Fenstern, Toren und die Erneuerung des Anstrichs, wenn diese Arbeiten in traditioneller Weise durchgeführt werden und das Dorfbild dadurch nicht verändert wird. Dieses Projekt soll erstmals in Großkopisch ausprobiert und dann auch auf andere Ortschaften erweitert werden. In Großkopisch versucht man, den jetzigen Dorfbewohnern bewusst zu machen, dass das architektonische Erbe einen Wert darstellt.

Der komplette Bericht wurde uns freundlicherweise von Dr. Hans Mauer aus Lindlar zur Verfügung gestellt.

About Arthur Weprich

Author und Webmaster für grosskopisch.de - geboren 1981 in Großprobstdorf bei Mediasch in Rumänien

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